Filmvermittlung auf DVD

Jean Douchet über DVD-Boni

Auszüge aus einem Gespräch

Jean Douchet schreibt seit den 1950er Jahren über Film, unter anderem in den »Cahiers du cinéma«, und lehrt an der Pariser Filmhochschule sowie an mehreren französischen Universitäten Filmgeschichte und -theorie. Er hat neben seiner umfangreichen journalistischen und akademischen Arbeit schon seit den 1960er Jahren als Autor filmdidaktische Filme für das Schulfernsehen realisiert. Diese Tätigkeiten setzte er mit der Reihe Image par image Ende der 1980er Jahre mit Video-Analysen von Filmklassikern (u.a. M - Eine Stadt sucht einen Mörder, Citizen Kane) für den Schulunterricht fort. Seit Anfang des neuen Jahrtausends ist er zudem verantwortlich für zahlreiche kurze Filmanalysen, die als Bonusmaterial auf DVDs erscheinen (u.a. über Friedrich Wilhelm Murnaus Sunrise und Rainer Werner Fassbinders Die Sehnsucht der Veronika Voss).

Im Juni 2008 führten Volker Pantenburg, Stefan Pethke und Erik Stein ein längeres Gespräch mit Jean Douchet in Paris. Wir veröffentlichen hier einen Auszug aus dem Gespräch, das in Gänze in einem der kommenden Dossiers zu lesen sein wird.

Jean Douchet im Gespräch: Über DVD-Boni

Es gibt ja sehr starke Bonus-Arbeiten von Firmen wie »Carlotta«.

Das Problem ist : Das nimmt schon wieder ab. Denn den anderen Produktionshäusern ist das mittlerweile wurscht. Zwei von den Häusern, für die ich ein ganz kleines bisschen arbeite – Opening und Studio Canal –, machen praktisch gar nichts mehr auf diesem Sektor. Bei Firmen wie Warner, Fox usw., da ist das höchste der Gefühle…

… das Making of.

Aber nein! Das Making of ist ja schon enormer Luxus! Nein, das höchste der Gefühle für die meisten DVD-Produktionen ist die Kapiteleinteilung. Sechs Kapitel, weil alles, was darüber hinaus geht, zu viel kostet. Aber auch die, die das weiter betreiben mit den Boni, weil es noch in Mode ist, diese kleineren Produktionshäuser wie die französischen Opening, Canal+ usw., machen heutzutage immer weniger. Das interessiert die nicht mehr. Die einzige wirklich interessante Firma ist Carlotta. Ich habe mit MK2 zusammengearbeitet – da kann man nicht mehr arbeiten! Bei Carlotta kriege ich acht ganze Tage oder, wenn es sein muss, kann ich auf zehn erhöhen. Ich werde dann zwar nicht mehr bezahlt, das ist wahr, das ist eine andere Geschichte. Aber ich kann arbeiten. Die anderen dagegen…

Haben Sie einen Cutter, der den Prozess begleitet, oder auch noch andere Personen?

Oh ja, ich habe einen Cutter. Wenn ich alles vollkommen alleine machen müsste, das wäre eine Katastrophe! Ich habe ja keine Ahnung. Nein, ich habe einen Cutter, der sehr gut ist, sehr sympathisch und den ich – das ist mir sehr wichtig – nach eigenen Ideen frage: Versuchen Sie mal das, das oder das. Das klappt wirklich sehr gut. Denn Sie müssen wissen: In dieser Welt der DVD, der industriellen Herstellung von DVDs, da wimmelt es von absoluten Eseln.

Steht die Dauer eines analytischen Beitrags nicht von Anfang an fest?

Nicht mit Carlotta! Im allgemeinen sagt man mir 20 Minuten, also mache ich 30. Aber ich habe ja schon auch einige Sachen gemacht, die lang sind. L’Aurore [französischer Titel von Murnaus Sunrise] dauert fast eine Stunde. Unter den letzten Dingern, die ich gemacht habe ist eine Arbeit über Veronika Voss von Fassbinder, das ist vor kurzem in Frankreich erschienen. Und in vierzehn Tagen, denke ich, kommt etwas über Oshima heraus, über Les plaisirs de la chair, einen der frühen Oshima-Filme. Beide Arbeiten wurden für Carlotta gemacht.

Kennen Sie junge Kritiker, die diese Arbeit machen, die Ihre Generation ablöst und diese Tradition fortsetzt?

Bei Carlotta gibt es ein paar nicht üble Dinger. Was Matthieu Capel über Yoshida gemacht hat, ist z.B. nicht schlecht. Die ganze Yoshida-DVD ist sehr gut. Ich bin in diesem Fall als Diskutant beteiligt: Wir diskutieren da zu dritt oder zu viert. Hauptsächlich spricht Yoshida selbst. Insgesamt dauert der Beitrag 50 Minuten, der ist sehr gut geworden.

Filmografie

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